Welcher Ton für den Einstieg? Ein Leitfaden für Anfänger
Inhaltsverzeichnis
1. Welcher Ton für den Einstieg?
Für Anfänger empfehlen wir Steinzeug. Es ist leicht zu verarbeiten, robust und vielseitig einsetzbar – ideal für Gebrauchs- und Zierkeramik. Während Porzellan oft zu anspruchsvoll und Irdenware für den täglichen Gebrauch (z.B. Geschirrspüler) weniger geeignet ist, bietet Steinzeug die stabilste Grundlage für erste Erfolgserlebnisse.
2. Worauf beim Kauf von Ton achten?
- Brennbereich: Für Steinzeug liegt dieser meist zwischen 1150°C und 1300°C. Achten Sie darauf, dass Ihr Ofen und Ihre Glasuren diesen Bereich abdecken. Eine Auswahl an hochwertigem Steinzeugton für diesen Temperaturbereich finden Sie in unserem Sortiment.
- Schamottierung: Schamotte ist für die Stabilität bei der Aufbau- und Plattentechnik entscheidend. An der Drehscheibe ist sie hingegen oft hinderlich (Hautirritationen bei hoher Körnung).
- Schwindung: Beachten Sie, dass Ton beim Trocknen und Brennen an Volumen verliert (oft 10-15%). Planen Sie dies bei der Dimensionierung Ihrer Werkstücke ein.
3. Voll fett oder mager?
Voll fetter Ton: Enthält viele feine Tonpartikel und kaum Magerungsmittel. Er ist extrem plastisch und geschmeidig – perfekt für die Drehscheibe, erfordert aber beim Trocknen mehr Aufmerksamkeit aufgrund der hohen Schwindung.
Magerer Ton: Durch Zusätze wie Schamotte wird die Masse weniger plastisch, gewinnt aber an Standfestigkeit. Er verzeiht Fehler beim Trocknen eher, lässt sich aber schwieriger sehr dünnwandig drehen.
4. Was ist Schamotte?
Schamotte sind bereits gebrannte und anschließend gemahlene Tonscherben. Sie fungieren als stabiles Gerüst im „rohen“ Ton. Je nach Korngröße (mm) und Anteil (%) verändern sie das Verhalten des Materials grundlegend.
5. Schamotte: Vorteile und Nachteile
In vielen Lehrbüchern steht, Schamotte mache den Scherben stabiler. Unsere Tests zeigen: Ein unschamottierter, dicht gebrannter Steinzeugscherben weist oft eine höhere Bruchfestigkeit auf. Schamotte dient primär der Prozessstabilität (Trocknung, Standfestigkeit beim Aufbau), nicht der Endfestigkeit des Objekts.
Vorteile:
- Minimiert Verformungen und Rissbildung beim Trocknen.
- Ermöglicht das Bauen großer, schwerer Objekte ohne Kollabieren.
- Erzeugt rustikale Oberflächenstrukturen.
6. Ton und Glasuren
Die chemische und thermische Kompatibilität ist entscheidend. Ein Ton, der bis 1280°C stabil bleibt, darf nicht mit einer Glasur kombiniert werden, die bereits bei 1050°C ausschmilzt (und umgekehrt). Wir empfehlen, Ton und Glasur immer innerhalb des gleichen Temperatursystems zu testen.
7. Farbvarianten
Die Wahl der Tonfarbe beeinflusst das Endergebnis der Glasur massiv. Während weißer Ton Farben leuchten lässt, verleihen dunkle Massen oder "Spotmassen" (z.B. mit Basalt-Punkten) den Glasuren eine natürliche Tiefe und individuellen Charakter.
8. Unsere Empfehlung für den Anfang
- An der Drehscheibe: Weißbrennender Steinzeugton, unschamottiert oder sehr fein schamottiert (max. 25%, 0–0,2 mm).
- Für den Handaufbau: Schamottierter Ton (25–45%, Korngröße bis 2 mm) für maximale Formstabilität.
9. Fazit
Wählen Sie Ihren Ton basierend auf Ihrer geplanten Technik. Steinzeug ist verzeihend und liefert professionelle, alltagstaugliche Ergebnisse. Versuchen Sie verschiedene Massen, um ein Gefühl für die Haptik und Standfestigkeit zu entwickeln.
Dieser Leitfaden basiert auf der täglichen Praxis und den systematischen Versuchsreihen im Tonraum.studio in Hallein. Wir evaluieren unsere Tonmassen kontinuierlich durch eigene Brennprotokolle und Belastungstests, um fundiertes Handwerk im Salzburger Land zu vermitteln.