Welcher Ton passt zu mir? Steinzeug, Schamotte und Körnung erklärt

Verschiedene Tonsorten für Keramik - Steinzeug und Schamotte im Vergleich

Für die meisten Arbeiten an der Drehscheibe und im Aufbau ist Steinzeug der richtige Ton: Er wird bei hoher Temperatur dicht gebrannt, ist danach robust und alltagstauglich und lässt sich gut verarbeiten. Entscheidend ist dann die Schamottierung, also wie viel bereits gebrannter, gemahlener Ton der Masse beigemischt ist: fein oder gar nicht für die Drehscheibe, gröber für den Aufbau.

Kurz gesagt

  • Steinzeug wird meist zwischen 1.200 und 1.300 °C gebrannt. Der Scherben wird dabei dicht und nimmt kaum Wasser auf.
  • Drehscheibe: weißbrennendes Steinzeug, unschamottiert oder sehr fein schamottiert.
  • Aufbau: schamottierter Ton mit gröberer Körnung, damit große Formen beim Trocknen stehen bleiben.
  • Schamotte macht den Ton beim Arbeiten stabiler, nicht das fertige Stück. Ein dicht gebrannter Scherben ohne Schamotte ist oft bruchfester.

Warum Steinzeug?

Steinzeug wird im Hochbrand gebrannt. Bei diesen Temperaturen sintert der Scherben: Die Tonteilchen verschmelzen teilweise miteinander, der Scherben wird dicht und nimmt kaum noch Wasser auf. Daraus folgen die Eigenschaften, die Steinzeug zum meistverwendeten Ton in Werkstätten machen.

  • Stabil: Bei passender Brennkurve dauerhaft belastbar und wenig anfällig für Risse.
  • Alltagstauglich: Mit passender Glasur spülmaschinen-, mikrowellen- und ofenfest. Deshalb ist Steinzeug das übliche Material für Geschirr, Becher und Servierplatten.
  • Vielseitig: Lässt sich drehen, aufbauen, schneiden, polieren und texturieren und verträgt eine große Bandbreite an Glasuren, von glänzend bis matt, bis hin zu Ascheglasuren.

Steinzeug, Steingut und Porzellan

Steingut und Irdenware werden deutlich niedriger gebrannt. Ihr Scherben bleibt porös und wird erst durch die Glasur wasserdicht, deshalb sind sie für Geschirr im täglichen Gebrauch weniger geeignet. Porzellan wird ebenfalls dicht gebrannt, ist in der Verarbeitung aber deutlich anspruchsvoller.

Fetter oder magerer Ton

Fetter Ton enthält viele feine Tonteilchen und kaum Magerungsmittel. Er ist sehr plastisch und geschmeidig und damit ideal für die Drehscheibe. Weil er stärker schwindet, braucht er beim Trocknen mehr Aufmerksamkeit.

Magerer Ton enthält Zusätze wie Schamotte. Er ist weniger plastisch, steht dafür besser und verzeiht beim Trocknen mehr. Sehr dünnwandig lässt er sich schwerer drehen.

Was Schamotte bewirkt – und was nicht

Schamotte ist bereits gebrannter und anschließend gemahlener Ton. In der rohen Masse wirkt sie wie ein Gerüst. Wie stark, hängt von der Korngröße (in mm) und vom Anteil (in %) ab.

Was Schamotte leistet:

  • Sie verringert Verformungen und Risse beim Trocknen.
  • Große, schwere Formen lassen sich aufbauen, ohne dass sie in sich zusammensacken.
  • Sie erzeugt raue, rustikale Oberflächen.

Was Schamotte nicht leistet: In vielen Lehrbüchern steht, Schamotte mache den gebrannten Scherben stabiler. Unsere Tests zeigen etwas anderes: Ein unschamottierter, dicht gebrannter Steinzeugscherben ist oft bruchfester. Schamotte sorgt für Stabilität während der Arbeit, beim Trocknen und Aufbauen, nicht für die Festigkeit des fertigen Stücks.

An der Drehscheibe ist grobe Schamotte eher hinderlich: Sie reibt an den Händen und kann die Haut reizen.

Worauf du beim Kauf achtest

  • Brennbereich: Bei Steinzeug liegt er meist zwischen 1.150 und 1.300 °C. Dein Ofen und deine Glasuren müssen diesen Bereich abdecken.
  • Schwindung: Ton verliert beim Trocknen und Brennen an Volumen, oft 10–15 %. Plane das bei der Größe deiner Stücke ein.
  • Farbe: Die Tonfarbe verändert das Ergebnis der Glasur deutlich. Auf weißem Ton leuchten Farben, dunkle Massen und gesprenkelte Massen (z. B. mit Basaltpunkten) geben Glasuren Tiefe.

Ein Tipp aus der Werkstatt: Arbeite dich erst in einen Ton gründlich ein, bevor du den nächsten ausprobierst. Warum das schneller zu Ergebnissen führt, steht im Artikel Die Material-Falle.

Ton und Glasur müssen zusammenpassen

Ton und Glasur müssen im selben Temperaturbereich liegen. Ein Ton, der bis 1.280 °C stabil bleibt, passt nicht zu einer Glasur, die bereits bei 1.050 °C ausschmilzt, und umgekehrt. Teste Ton und Glasur deshalb immer zusammen und mit derselben Brennkurve.

Auch innerhalb des richtigen Temperaturbereichs kann es Probleme geben: Ziehen sich Ton und Glasur beim Abkühlen unterschiedlich stark zusammen, reißt die Glasur oder platzt ab. Mehr dazu im Artikel Crazing und Shivering.

Unsere Empfehlung

Technik Ton Schamotte Körnung
Drehscheibe weißbrennendes Steinzeug keine oder höchstens 25 % 0–0,2 mm
Aufbau schamottiertes Steinzeug 25–45 % bis 2 mm

Probiere innerhalb dieser Bereiche verschiedene Massen aus. So entwickelst du ein Gefühl dafür, wie sich ein Ton anfühlt und wie gut er steht.

Häufige Fragen

Ist Steinzeug immer spülmaschinenfest?

In der Regel ja. Voraussetzung sind ein dichter Brand und eine stabile Glasur ohne Haarrisse, in die Wasser eindringen könnte. Welche Rolle die Brennkurve dabei spielt, erklärt der Artikel Brennkurven im Keramikbrand.

Worin unterscheidet sich Steinzeug von Steingut?

Steinzeug wird deutlich höher gebrannt, ab etwa 1.200 °C. Der Scherben sintert dabei und wird wasserdicht. Steingut bleibt porös und muss glasiert werden, damit es Wasser hält.

Stand: Oktober 2026. Die Werte zu Schamotte, Körnung und Schwindung sind Richtwerte aus unserer Werkstattpraxis. Die genauen Angaben stehen im Datenblatt der jeweiligen Tonmasse.